Am Donnerstag, den 29.09., fand im Haus der Begegnung in Heidelberg ein gewichtiger Vortrag zum aktuellen Zeitgeschehen statt. Albrecht Müller, Politiker, Herausgeber der NachDenkSeiten und Autor zahlreicher Bücher, sprach zum Thema „Wir wollen ein Volk der guten Nachbarn sein“. Eingeladen hatte paxchristi Heidelberg, das Heidelberger Forum gegen Militarismus und Krieg und die NachDenkSeiten.

Dieses Willy Brand Zitat aus seiner Regierungserklärung 1969 ist heute wieder hoch aktuell und spricht vielen Menschen in Deutschland aus der Seele. Der Untertitel der Veranstaltung lautete: Raus aus der Kriegslogik – zurück zu einer Politik der Vernunft, der Entspannung und gemeinsamer Sicherheit. Die große Zahl von rund 200 Besuchern, die zu dieser Impulsveranstaltung für einen Politikwandel gekommen waren und die anschließende Diskussion zeigten, dass Kriege keinesfalls ein Teil der Politik sein können. 

Albrecht Müller, der in Heidelberg geboren ist und in der Altstadt aufwuchs, war von 1970 bis 1972 Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit des SPD-Parteivorstandes und von 1973 bis 1982 Leiter der Planungsabteilung im Bundeskanzleramt unter Willy Brandt und Helmut Schmidt. 1987 zog Müller für zwei volle Legislaturperioden in den Bundestag ein.

Müller ging in seinem Vortrag auf das Auf und Ab der Politik nach 1945 ein. Unter Adenauer machte sich eine aggressive politische Haltung breit, die 1950 zur Wiederbewaffnung der Bundesrepublik führte. Dem gegenüber stand eine auf Frieden ausgerichtete Haltung mit der Forderung „Nie wieder Krieg“, vertreten durch Politiker wie G. Heinemann, E. Eppler, E. Bahr und Willy Brand. Dieses Statement gilt heute nicht mehr! Die restriktive Haltung dem Grundgesetz gegenüber, keine Waffen in Kriegsgebiete zu schicken, gipfelt augenblicklich in der Forderung nach noch schwereren Waffen für die Ukraine. Die KSZE 1975, der Fall der Mauer, die Charta von Paris 1990 („Das Zeitalter der Konfrontation und Teilung Europas ist vorbei“) und die Wiedervereinigung Deutschlands waren Meilensteine der Entspannungspolitik. Zu dieser Zeit war eine Nahosterweiterung nicht vorgesehen. Müller wies darauf hin, dass die Abkehr von der Entspannungspolitik und Hinwendung zur neuen Politik der Konfrontation durch die Rüstungswirtschaft maßgeblich mitbestimmt wurde. So wurde die NATO-Osterweiterung vorangetrieben und heute gehören alle Staaten an der Grenze zu Russland der NATO an. Es ist nachzuvollziehen, dass NATO-Manöver und schweres Kriegsmaterial im Grenzbereich für Russland eine Provokation sein mussten.

Heute, wo die Kriegsgefahr für Europa einschließlich eines Atomkrieges größer denn je ist, müssen wir überlegen, welche Schritte für ein friedliches Zusammenleben in Europa und der Welt notwendig sind.

Albrecht Müller machte dazu folgende Vorschläge (Auszug):

  • Loslösung von der Fremdbestimmung durch US-amerikanische und westliche Partner!
  • Ende der Sanktionen!
  • Bezug von Gas (falls noch möglich) und anderer Rohstoffe aus Russland
  • Friedensverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine!
  • Kein NATO-Beitritt der Ukraine!
  • Abrüstung! Frei gewordene Mittel einsetzen für den Wiederaufbau der Ukraine und andere hilfsbedürftige Völker in der Welt!

Die anschließende Diskussion zeigte die hohe Betroffenheit und die Besorgnis der Menschen, die sich einen Richtungswechsel in der Politik raus aus der Konfrontation und hin zu einem friedlichen und respektvollen Miteinander wünschen.

Ein Dank gilt Ulrich Becker für die spontane musikalische Begleitung und dem Film-Team von av-digital für die Aufzeichnung des Vortrages, der in Kürze auf den NachDenkSeiten (www.nachdenkseiten.de) zu finden sein wird. Der NachDenkSeiten Gesprächskreis in Heidelberg wird in Anlehnung an die Forderungen Albrecht Müllers überlegen was er für den Frieden in Europa und für eine neue Entspannungspolitik tun kann. Interessierte sind herzlich eingeladen.

Text übernommen mit Genehmigung des Heidelberger NachDenkSeiten-Gesprächskreises für politische Aufklärun